Einen Monat später

Es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Bereits einen ganzen Monat bin ich nun wieder zu Hause. Bei meinem Einstieg in den Nachtzug von Bukarest nach Wien hatte ich noch den festen Vorsatz, recht zeitnah noch einen abschließenden Beitrag zu schreiben. Kaum zurück in Deutschland jedoch hatte mich der Alltag mit so einer Macht wieder, dass ich meinen Abschlussbericht zu meiner großen Reise bis heute nicht geschrieben habe. Schande über mein Haupt und höchste Zeit, dies nun nachzuholen. Im Zug von Constanta nach Bukarest: letzter Blick auf die Donau Das Ende meiner Reise verlief nach all den Aufregungen dann herrlich reibungslos und unspektakulär. Am 21.10.2020 nahm ich gegen Mittag den Zug von Constanta nach Bukarest. Beim Einstieg gab es eine kleine Auseinandersetzung mit dem Schaffner, der mich mit meinem Rad zunächst nicht mitfahren lassen wollte. Warum hat sich mir nicht ganz erschlossen. Als der schimpfende Schaffner von Dannen zog…

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Von Tulcea nach Constanta: Endspurt

Heute habe ich nach 2.980 Kilometern im Sattel den Endpunkt des Donauradweges und des EuroVelo 6 in Constanta am Schwarzen Meer erreicht. Ab jetzt geht es endgültig heimwärts. Ich freu mich auf mein Bett! 19.10.2020Am gestrigen Tag bin ich mit dem Schnellboot von Sulina aus zurück nach Tulcea gefahren und habe dann im wesentlichen nicht mehr viel gemacht. Da gibt es nicht so viel zu erzählen. Heute bin ich relativ zeitig los, da ich echt früh aufgewacht bin und einfach nicht mehr einschlafen konnte. Das Wetter ist nach wie vor herrlich, aber der bereits vor ein paar Tagen angekündigte Temperatursturz hat sich eingestellt. An meinem Abreisetag in Egling - ein wirklich scheußlicher Tag! - hatte ich zuletzt eine Mütze auf. Die brauch ich heute aber wieder - ebenso meine Jacke. Mein erster Weg führt mich nochmal in die Stadt, denn auch in Sulina konnte ich keine Postkarten auftreiben. Zwar habe…

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Sulina: Donaukilometer 0

Es ist kaum zu glauben, aber nun bin ich tatsächlich am Ziel einer langen, langen Reise. Ich habe noch ein bisschen etwas vor mir bevor es zurück geht und mit einem würdigen Schlusswort warte ich daher noch ein bisschen. Trotzdem ist völlig klar, dass der heutige Tag etwas besonderes ist: Er markiert mein erklärtes Ziel. Am 01.09.2020 bin ich in Egling an der Paar aufgebrochen. Dem Flüsschen Paar bin ich bis zu seiner Mündung hinter Ingolstadt in die Donau gefolgt. Seitdem war der zweitgrößte und zweitlängste Fluss Europas mein ständiger Begleiter (von der Ungarn-Umfahrung einmal abgesehen). Ich hab geschwitzt und gekämpft, hab mich gefreut und genossen, hab mich geärgert und mich selbst für diese Idee verflucht. Etliche Pannen, durchnässte Kleidung, kalte Nächte im Zelt. Alles vergessen - ich bin da. 17.10.2020 Nach Sulina kommt man von Tulcea aus entweder mit der staatlichen Fähre von Navrom oder mit zahlreichen Schnellbooten. Nachdem…

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Von Harsova nach Tulcea: Vorläufiger Endspurt

15.10.2020 Als ich in Harsova aus der Unterkunft krieche, ist es ganz schön kalt - aber die Sonne scheint. Ich hole mir im Supermarkt ein Frühstück und setze mich noch ein bisschen an den Stadtplatz. Dort genieße ich dick eingemummelt die Sonne und einen Kaffee. Ich versuche meine Reise Tag für Tag noch einmal revue passieren zu lassen, aber ich merke, dass nach eineinhalb Monaten die einzelnen Tage an Kontur verlieren. Ich bin echt froh, dass ich dieses mal diesen Blog geschrieben habe. Für Reisetagebücher war ich bisher immer zu faul. Anschließend geht es los. Die Landschaft ist heute unendlich weit und wirkt oft sehr trocken. Kaum sieht man mal einen Baum. Wälder gibt es ohnehin nur in unmittelbarer Flussnähe. Viel Steppe. Mittlerweile trägt auch die veränderte Landschaft zum Gefühl bei, richtig weit weg von zu Hause zu sein. Von Harsova nach Greci Im Hintergrund tauchen langsam die Züge des…

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Von Silistra nach Harsova: Es läuft mal wieder

Ein Blogeintrag ganz ohne Lamento und Katastrophenberichte? Nun - fast 😉 Nach der eher durchwachsenen letzten Phase meiner Reise liefen die letzten beiden Tage echt gut. Davon möchte ich euch heute erzählen. So ging es nach meinem Ruhetag in Silistra weiter: 13.10.2020 Zum Frühstück gibt es heute wieder Mekiza. Einfach lecker das Zeug! Und wie Nadine in meinem Blog ganz richtig kommentiert hat: Das erinnert ein bisschen an die ungarischen Langos. Ich mach mich ziemlich zeitig vom Acker. Heute habe ich nochmal eine Etappe von über 100 Kilometern vor mir. Dazu kommt, dass mir die bisher meisten Höhenmeter an einem Tag blühen (1400 Meter nach oben). Sowas ist auch bei einer Tour in den Bergen ein ganz ordentliches Tagespensum. Das groteske: Hier gibt es keine Berge. Noch nicht mal mit „Hügel“ lässt sich die Landschaft korrekt umschreiben. Am ehesten könnte man sagen, dass das rechte Donauufer von einer Hochebene gesäumt…

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Von Suhaia nach Silistra und Resümee der 7. Etappe

Noch nie habe ich für einen Blogbeitrag ein Titelbild gewählt, das so wenig repräsentativ ist. Allerdings fotografiere ich einfach nicht, wenn es regnet. Aber der Reihe nach. 09.10.2020 Der Wetterbericht hat sich nicht geirrt. Mürrisch mümmel ich auf der überdachten Veranda von Gabriele mein Frühstück rein und beobachte den Himmel, der eine endlose, tief hängende, undefinierbare und graue Maße ist, aus der es Schnürsenkel regnet. Gabriele bietet mir an, zu einem vergünstigten Preis noch eine Nacht zu bleiben. Bei dem Wetter verlockend - aber was soll ich in Suhaia? Mit meiner gebrochenen Speiche benötige ich zudem Hilfe und vor mir liegt das Wochenende. Großartige Unternehmungen bieten sich bei dem Wetter auch nicht an, zumal Suhaia jetzt nicht gerade der Nabel der Welt ist... Und regnet es da nicht gerade wenigstens ein bisschen weniger?!Ein paar Minuten später sitze ich auf dem Rad und natürlich regnet es nicht weniger. Und wie das…

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Von Vidin nach Suhaia: Weiter geht’s mit den Pannen

07.10.2020 Zwei sehr kilometerintensive Tage stehen mir bevor und entsprechend möchte ich früh los. Die Tage werden spürbar immer kürzer und wenn man bei Tageslicht fahren will, ist für richtig große Etappen bald gar nicht mehr genug Zeit übrig. Mein Tag beginnt mit einer netten Überraschung: Ich rolle das Rad aus meiner Unterkunft und stelle fest, dass ich wieder einen Platten habe. Natürlich am Hinterrad. Diesmal gelingt es mir nicht, das Loch zu finden und ich wechsle den Schlauch aus. Das geht zwar relativ problemlos, aber ich hab wertvolle Zeit verloren und muss mich jetzt sputen. Vidin verlasse ich in dichter Nebelsuppe. Ich nehme die neue „Friedensbrücke“ von Bulgarien nach Rumänien, sehe aufgrund des Nebels nicht viel und bin kurz darauf in Rumänien. Die nächsten 100 Kilometer verbringe ich heute relativ unspektakulär auf einer gut ausgebauten und nicht zu stark befahrenen Landstraße. Nicht der schönste Radweg, aber auch nicht der…

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Von Negotin nach Vidin und kurzes Resümee der 6. Etappe

05.10.2020 Der Vorabend in Negotin hat mich noch ein bisschen geärgert. Zum einen erfuhr ich, dass in meiner Unterkunft keine Kreditkartenzahlung möglich sei. Auf der Suche nach einem Abendessen hab ich in drei Pizzerien (was anderes gab es nicht) gefragt und auch dort musste man mit Bargeld zahlen. Auf dieser Reise tatsächlich das erste mal. Blöd war das deshalb, da mein Bargeld eben genau um 10 Euro nicht mehr gereicht hat und ich ja nach Bulgarien weiterfuhr. Nützte aber nichts. So habe ich nochmal 1000 Dinar abgehoben (knapp 10 Euro) und dafür 5 Euro Gebühren bezahlt. Ich habe eine Karte, mit der ich gebührenfrei abheben kann, aber die wiederum wurde von drei Geldautomaten nicht akzeptiert. Auch meine Kreditkarte hat erst am 3. Automat funktioniert. Das hat sich also ziemlich gelohnt. Für das überteuerte Bargeld hab ich dann noch die schlechteste Pizza der ganzen Reise gegessen. Na dann. Nach dem Frühstück…

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Von Donji Milanovic nach Negotin: Radtour durchs Eiserne Tor

03.10.2020 Heute erwartet mich der spektakulärste Abschnitt der Radtour durch den 120 Kilometer langen Donaudurchbruch, den man bei uns als Eisernes Tor kennt. Unterwegs bekomme ich mancherlei mit. So zum Beispiel, dass die Römer bereits im Jahr 100 eine Straße entlang des Durchbruchs in den Stein geschlagen haben. Eine Tafel, die allerdings nur vom Wasser aus zu sehen ist, ehrt Kaiser Trajan. Seine Straße liegt heute durch Kraftwerkbauten geflutet unter der Wasseroberfläche. Die Hügel rechts und links der Donau werden heute ein kleines Gebirge und ich muss auch ein paar mal ordentlich schwitzen, um die Anstiege zu schaffen. Abenteuerlich bleiben auch heute die unbeleuchteten Tunnel. Am längsten Tunnel haben sich die Serben etwas besonderes einfallen lassen: Am Tunneleingang kann man als Radfahrer einen Knopf drücken. Daraufhin geht dann aber nicht etwa ein Licht im Tunnel an, sondern am Tunneleingang leuchtet eine rote Warntafel auf, die Autofahrer warnen soll, dass im…

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Von Belgrad nach Donji Milanovac: Pannentage

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich mich zuletzt hier gemeldet habe. Ein Grund dafür ist, dass ich kurzzeitig nicht so richtig wusste, wie und wann es weitergehen kann mit meiner Radreise und da ich auch nicht nur lamentieren wollte, hatte ich das Schreiben ein bisschen vertagt. Aber der Reihe nach. 29.09.2020 Bei strömendem Regen verlasse ich Belgrad. Kurz nach der Donaubrücke biegt der Donauradweg wieder auf einen Dammweg ein. Unasphaltiert und bei diesem Wetter eine einzige Matschtrasse. Die Donauufer selbst sind hier aber sehr schön. Altwässer, hunderte Vögel und alles ist so grün als wäre man in einem Regenwald. Altwässer hinter Belgrad In Pancevo mahnen Straßenschilder, man möge als Radfahrer die Straßenseite wechseln, denn hier gäbe es Dornen. Das habe ich brav getan, treffe jedoch bereits kurz hinter Pancevo eine liegen gebliebene Radfahrerin aus den USA. Übrigens die erste Radfahrerin, die mir seit Österreich begegnet ist. Susan…

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