Von Donji Milanovic nach Negotin: Radtour durchs Eiserne Tor

Von Donji Milanovic nach Negotin: Radtour durchs Eiserne Tor

03.10.2020
Heute erwartet mich der spektakulärste Abschnitt der Radtour durch den 120 Kilometer langen Donaudurchbruch, den man bei uns als Eisernes Tor kennt. Unterwegs bekomme ich mancherlei mit. So zum Beispiel, dass die Römer bereits im Jahr 100 eine Straße entlang des Durchbruchs in den Stein geschlagen haben. Eine Tafel, die allerdings nur vom Wasser aus zu sehen ist, ehrt Kaiser Trajan. Seine Straße liegt heute durch Kraftwerkbauten geflutet unter der Wasseroberfläche.
Die Hügel rechts und links der Donau werden heute ein kleines Gebirge und ich muss auch ein paar mal ordentlich schwitzen, um die Anstiege zu schaffen. Abenteuerlich bleiben auch heute die unbeleuchteten Tunnel. Am längsten Tunnel haben sich die Serben etwas besonderes einfallen lassen: Am Tunneleingang kann man als Radfahrer einen Knopf drücken. Daraufhin geht dann aber nicht etwa ein Licht im Tunnel an, sondern am Tunneleingang leuchtet eine rote Warntafel auf, die Autofahrer warnen soll, dass im Tunnel Radfahrer unterwegs sind. Na dann…
Auf dem Wasser der Donau ist ein ganz ordentliches Gewusel. Zahlreiche Ausflugsboote sind unterwegs um zum Beispiel das Kloster Manastirea Mraconia oder die 55 Meter hohe Felsstatue des Trakerkönigs Decebalus (beides auf rumänischer Seite) zu bewundern. Ich sehe dem von oben zu auf meiner sehr gut ausgebauten aber wenig befahrenen Straße auf der serbischen Seite der Donau.
Der Abschnitt von Kovin bis zu meinem heutigen Tagesziel Kladovo kann nur wärmstes empfohlen werden. Die touristische Infrastruktur ist super. Die Landschaft beeindruckend. Unterkünfte sind gut und günstig, man kann toll essen… Was will man mehr? Auf jeden Fall ein Highlight meiner Reise.
Am Abend habe ich in Kladovo ein wirklich ordentliches Hotel mit Pool. Für die Übernachtung mit Frühstück bezahlte ich 19 Euro. Zum Abendessen gönne ich mir in einem wirklich guten Fischrestaurant einen Octopus-Salat, einen gemischten Fischgrillteller (unter anderen mit meinem geliebten Waller) und zwei Bier. Alles mega lecker. Auf meiner Rechnung stehen umgerechnet 12 Euro. So kann man es sich auch mit schmalem Budget echt gut gehen lassen.
Dazu kommt, dass mich auf der Fahrt durchs Eiserne Tor auch das Wetter verwöhnt hat. Da gibt es ausnahmsweise einmal überhaupt nichts zu meckern sondern gute Reiselaune.

04.10.2020
Meine heutige Fahrt ist im Vergleich mit gestern dann eher unspektakulär, aber immer noch hübsch. Die Sonne hat sich wieder hinter Wolken verzogen, aber es ist angenehm warm und regnet nicht. Hinter Kladovo beginnt eine ruhige Landstraße und folgt der Donau um eine große Kurve. Wer Kilometer scheut, könnte hier auch abkürzen. Aber ich will ja der Donau folgen und nicht den kürzesten Weg fahren.
Bis zu einem gigantischen Laufkraftwerk, das zugleich eine Brücke nach Rumänien bildet, ist das Donauufer gespickt mit kleinen Ferienhäuschen, an denen heute am Sonntag auch ordentlich was los ist. Es wird gegrillt und geangelt oder am Häuschen herumgeschraubt.
Seit ich die Grenze von Kroatien nach Serbien genommen habe, hat sich das Land stark verändert. Ich war zunächst wirklich erstaunt darüber, wie ärmlich und schäbig Serbien Im Vergleich zu Kroatien erst einmal daherkam. Das hat sich geändert. Hier wirkt vieles nach einem gesunden Mittelstand und die Infrastruktur (Häuser wie Straßen und Wege) ist echt in Ordnung. Solche Straßen wie heute wünsche ich mir nächste Woche auch, wenn ich zwei recht lange Etappen vor mir habe.
Nach 80 Kilometern erreiche ich heute mein Tagesziel: Negotin. Negotin ist ein Mittelzentrum und größte Stadt in der Gegend, hat aber kulturell wenig zu bieten und macht für mich den Eindruck einer reinen Zweckstadt. So scheint mich Serbien ein bisschen zu verabschieden wie es mich empfangen hat: Grau und ein bisschen abweisend. Zwischen meinem Grenzübertritt von Osijek und meiner letzten Nacht in Negotin lagen aber vor allem bunte und tolle Eindrücke. Das kann im Nachhinein auch die Radpanne nicht trüben. Nach Serbien wuerde ich gerne nochmal kommen – die Radtour der letzten Tage jederzeit wieder machen.

Jetzt hoffe ich, dass mit der Ausreise nach Bulgarien morgen alles klappt. Laut Internet dürfte es keine Probleme geben, aber die Realität hat ja schon ein paar mal Überraschungen bereit gehalten.
Auf einem Radwegweiser in der Innenstadt von Negotin gab es heute einen kleinen geschriebenen Zusatz. Die kleine, weiße Schrift auf rotem Hintergrund ist bei der Bildauflösung schlecht zu lesen, daher hier noch einmal abgetippt:
„Everybody wonders wether there is life after death. Nobody wonders if there is life before death.“
Ich glaube man sollte sich über das Leben insgesamt öfters einmal wundern und es nicht so gleichgültig hinnehmen. Wundern und loslegen mit dem Leben. Wenn man immer wieder wartet, verpasst man alles. Zum Beispiel den Punkt, so eine Reise zu tun. Auch wenn ich nicht jeden Tag geil finde und mich oft auf einer emotionalen Achterbahn befinde bin ich echt froh, losgefahren zu sein und jetzt schon so weit zu sein.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Anschi

    Hallo Bernhard, bin Miris Tante, die Anschi. Mensch, wer kennt schon das Eiserne Tor? Wir waren schon 2x dort. Vor 10 Jahren direkt mit nem kleinen Motorböötchen auf der Donau ( auf der Durchreise zum Donaudelta) und vergangenes Jahr auf unserer Reise über Bulgarien nach Griechenland. Find ich/wir richtig spannend. Bin gespannt was du über Bulgarien schreibst. Für uns war dieses Land ein Highlight. Liebe Grüße aus dem Allgäu

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