Ein holpriger Einstieg: Von Ingolstadt nach Deggendorf

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02.09.2020
Zwei weitere, ziemlich holprige Fahrtage liegen hinter mir. Höhen und Tiefen. Aber der Reihe nach:
Am 02.09.2020 habe ich am Morgen meine sieben Sachen in Ingolstadt zusammen gepackt. Das Wetter hatte ein Einsehen und ich konnte Zelt und Regenkleidung fast noch trocknen, während ich mir ein Frühstück am Campingplatz schmecken liess. Der Azur Campingplatz am Auwaldsee bekommt übrigens keine Empfehlung von mir für campende Radfahrer. Die Sanitäranlagen waren in Ordnung und die Lage am kleinen See vor den Toren Ingolstadts ist ganz hübsch, aber es gibt keinerlei Möglichkeit, sich mal an einen Tisch zu setzen oder sich wo unterzustellen. Bei Regenwetter mit einem kleinen Zelt echt ein doofer Platz und eine überdachte Bank/ ein Tisch sollten doch eigentlich auf einem Campingplatz Standard sein?! Vielleicht ist das aber bekannt, denn ich war dort mit meinem Zelt auch alleine.

Vom Platz aus ging es mit dem Rad direkt auf den Donauradweg Richtung Weltenburg, Kelheim und meinem Tagesziel Regensburg. Bereits nach kurzer Zeit war ich dann endlich an der Stelle, an der die Paar ziemlich unspektakulär bei Vohburg in die Donau mündet.

Den Abschnitt von Ingolstadt nach Weltenburg habe ich als eher langweilig erlebt, aber das Wetter war toll und hat mich für den ersten, verregneten Tag entschädigt.
In Weltenburg bin ich dann gleich einem Kommentar unter meinem ersten Blogeintrag gefolgt und habe mich mit der Georgina getroffen. Ich war als kleines Kind einmal in Weltenburg und im Donau-Durchbruch, habe daran aber nur noch schemenhafte Erinnerungen. Ich war auch wirklich noch klein… Ich wollte daher die Passage bis Kelheim unbedingt auf dem Schiff fahren. Zuvor gab es im Kloster Weltenburg ein extrem feines Mittagessen (lauwarm geräucherte Forelle!) und ein leckeres Klosterbier. Liebe Georgina – nochmal vielen lieben Dank für deine Einladung. Es hat mich sehr gefreut, dass das geklappt hat!
Die Asam-Kirche in Weltenburg hat mich mit der abgesetzten Kuppel und dem Lichtraum hinter dem Altar in all ihrer barocken Pracht ganz schön begeistert. Ich steh schon ein bisschen auf Barock!

Mittagspause in Weltenburg mit Georgina

Die anschließende Fahrt durch den Donaudurchbruch ist landschaftlich natürlich ein Highlight. Allerdings sollte sich die Schifffahrtsgesellschaft dringend nach einem anderen Sprecher für die automatischen Ansagen zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten umsehen. Der Mensch klingt derart salbungsvoll, als würde er von einer Kanzel predigen. Irgendwie unpassend.
Nach einem Kaffee in Kelheim wollte ich mich gerade von Georgina verabschieden, da war mein Fahrradhelm verschwunden. Den hatte ich eigentlich an meinem Rucksack befaestigt. Aber Glück im Unglück: Jemand hatte ihn auf dem Schiff gefunden und ihn mir in der Nähe des Kassenhauses an einen Zaun gehängt.
Georgina fuhr von Kelheim aus wieder nach Hause und ich habe mich weiter auf den Radweg nach Regensburg gemacht.

Befreiungshalle bei Kelheim

Der Abschnitt des Donauradweges von Kelheim nach Regensburg ist übrigens wunderschön! Also so richtig! Es hat mir große Freude gemacht, hier zu fahren und ich war ganz angetan davon, dass ich in Sachen Muskulatur so wenig Startschwierigkeiten hatte.
Regensburg erreichte ich am frühen Abend. Für die Nacht hatte ich mir ein Bett in einem 6-Bett-Dorm eines Hostels genommen. Das war einen Euro grünster als der Campingplatz 😉

Hostelexkurs
Auch wenn ich in diesen Dorms nie gut schlafen kann weil ständig eine Unruhe herrscht und fürchterliche Luft weltweit zum Konzept einer solchen Einrichtung zu gehören scheint, bin ich doch immer wieder gerne mal in einem Hostel. Man trifft einfach immer wieder verrückte Vögel.
So auch diesmal. Im Bett unter mir schlief einer junger Mann aus Ulm, der gerade coronabedingt ein Auslandssemester in Thailand abbrechen musste. Irgendwie gelangte er auf dem Rückweg nur bis Istanbul – es gingen ja keine Flüge mehr. Da hat er sich kurzerhand einfach ein Rad gekauft und sich auf den Weg gemacht. Nicht unbedingt auf den direktesten – der Balkan ist interessant und Zeit hatte er offenbar. Jetzt in Regensburg war er noch zwei Tagesetappen von zu Haus entfernt. Was für eine coole Aktion! Chapeau! Aus der Not einen Tugend gemacht!

Klingt alles nach einem guten Tag, nicht wahr?
Es wäre vermutlich auch dabei geblieben, wenn ich nicht am Abend nochmal die Aktualisierungen des Auswaertigen Amtes angesehen hätte. Dabei erfuhr ich, dass Ungarn die Grenzen bis mindestens zum 30.09.2020 dicht gemacht hat. Nun geht aber leider die Donau auf einem nicht unerheblichen Abschnitt durch Ungarn und eigentlich war ich von Wien bis Budapest auch mit meinem Freund Gerd als Reisebegleiter verabredet. Was nun? Obwohl mir natürlich klar war, dass in Corona-Zeiten so etwas passieren könnte, hat mich das gestern doch ganz schön getroffen und demoralisiert. Sollte die Reise nun wirklich schon in Wien enden?
Ich denke nicht. Derzeit schmiede ich Pläne, Ungarn einfach zu umfahren. Das wird auch nicht leicht, aber das kann’s jetzt ja wohl nicht sein. Was mich wirklich wütend macht ist die Sinnfreiheit dieser Aktion. Was soll das? Machtspielchen eines Victor Orbans – mehr nicht. Aber von dem lass ich mir die Reise nicht versauen.

03.09.2020
Wie zu erwarten war, habe ich die Nacht im Hostel richtig beschissen geschlafen. Die Ungarn-Botschaft hat ihren Teil dazu beigetragen. Ein mega leckeres Frühstück im Café Lila in Regensburg hat meine Laune aber deutlich aufgebessert und ordentlich gestärkt hab ich mich auf den Weg gen Deggendorf gemacht.
Bereits kurz nach Regensburg hab ich eine Pause eingelegt und bin den Berg zur Walhalla erklommen, um den dort verewigten Geistern die Ehren zu erweisen. Lauter berühmte und kluge Menschen. Oder aber mit lustigen Namen. Mir gefällt besonders „Eberhard im Bart“. So möchte man doch eigentlich heißen!

Die Gegend von Regensburg nach Straubing ist anschließend durchaus reizvoll und ich erfuhr, dass es an der Donau in kleinem Maße bis heute Weinanbaugebiete gibt. Der Wein hatte aber früher offenbar keinen guten Ruf und taugte bisweilen nur zur Essigherstellung. Und ein Weinzierl war in dieser Gegend ein Winzer. Wieder was gelernt und dabei an einen früheren Wegbegleiter und Schauspieler dieses Nachnamens gedacht. Kra!
In Straubing kurze Mittagspause mit Torte und Eiskaffee. Ich glaub ich kann es mir gerade erlauben.
Anschließend wurde es dann eher öde und eine Umleitung bescherte mir ein paar extra Kilometer. Ich habe mich mit einer Folge meines Podcasts ein bisschen selbst unterhalten.
Alles schien soweit gut zu laufen und ich hatte mich schon auf das Ende eines guten Radtages gefreut, da hatte ich 9 km vor Deggendorf einen Platten.
Nicht verzagen, im Gepäck sind zwei Schläuche, früher oder später musste das passieren (in meinem Fall natürlich früher, aber wie soll es anders sein), also frisch ans Werk.
Das Hinterrad war rasch demontiert und der Schlauch dank neuem Multitool in Windeseile von der Felge. Ich war schon ganz begeistert von meiner Ausrüstung, als ich feststellte, dass mir die Hornochsen im Cube-Store in Füssen zwei unterschiedliche Schläuche mitgegeben haben. Nur einer davon passend. Ärgerlich – zumal wenn man sein Rad gerade für 350 Euro generalüberholen hat lassen. Aber immerhin – ein Schlauch passte ja.
Held der ich nun bin hab ich diesen Schlauch aber offenbar bei der Montage verletzt und hatte nun gleich zwei Schläuche mit Loch! Ich war mega angepisst. Wie ich ein paar Minuten später erfahren habe, hätte mir aber auch ein korrekt montierter Schlauch nichts genützt, aber dazu gleich.
Ich hab mir aus Deggendorf ein Taxi kommen lassen und bin zu Crocodile Cycles gefahren. Die zwei Jungs dort haben sich kurz vor Feierabend noch meiner Panne angenommen. Als ein neuer Schlauch drauf war wurde ich gefragt, ob ich das Hinterrad selbst montieren wolle. Ich meinte, das könnten sie ja jetzt auch noch kurz erledigen. Gott sei Dank! Bei der Montage hat sich nämlich herausgestellt, dass das Gewinde für die Rueckachse kaputt war. Und zwar so richtig! Wie kann das sein?! Vor gerade einmal vier Wochen hab ich in Füssen neue Mäntel aufziehen lassen. Das hätte denen auffallen müssen. So kaputt wie das Gewinde war, müssen die die Achse wirklich mit aller Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste reingedreht haben.
Also: Gewinde neu ausschneiden. Damit war das Faß aber noch nicht voll, denn auch das Schaltauge war verbogen. Müßig zu erwähnen, dass ich jenes Schaltauge erst kürzlich in Füssen erneuern ließ, da ich immer Probleme hatte mit der Gangschaltung. Die zwei Jungs von Crocodile Cycles haben sich viel Mühe gegeben mein Rad wieder flott zu machen und nach einigem Gefriemel hat es auch ohne Originalteile (die sie als Nicht-Cube-Partner nicht da hatten) auch geklappt. Das Problem ist aber, dass das Gewinde und dass Schaltauge eigentlich kaputt sind. Theoretisch müsste ich morgen zu einem Cube-Händler und die Sachen nochmal ersetzen lassen. Ich weiß noch nicht, ob ich das mache. Ohne neue Teile kann es passieren, dass ich beim nächsten Platten (möglicherweise irgendwo in der Walachei) mein Rueckrad wieder nicht montieren kann. Auf der anderen Seite ist die Urlaubskasse durch den heutigen Zwischenfall ordentlich geschmälert….
Wie auch immer: Den beiden Fahrrad-Menschen heute bin ich sehr dankbar. Und obwohl ich mein Rad echt liebe, kann ich über den Cube Store in Füssen bisher nichts gutes berichten (außer, dass die Leute dort nett sind). Ungefähr alles was die bisher an meinem Rad gemacht haben (und das ist mittlerweile ganz schön viel) ging im ersten Anlauf immer erst einmal in die Hose.
Die Moral ist trotz guter Kondition nicht so gut. Der erste Tag fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Der zweite Tag war überschattet von der Meldung aus Ungarn und der dritte von meinem Platten, aber vor allem den sich daraus ergebenden Einsichten in den Pfusch aus Füssen. Dafür hab ich vor ein paar Wochen sehr gerne so viel Geld ausgegeben. Vielen Dank!

Wie auch immer. Ich merke, dass das Tippen hier ganz gut tut. Auch wenn ich gerade ordentlich vom Stapel gezogen habe merke ich, dass eigentlich die schönen Momente der letzten beiden Tage doch überwiegen. Ich hatte tolles Wetter und bin begeistert davon, wie gut meine Muskeln mitmachen. Auch mein angenagtes Knie hält sich viel besser als gedacht. Eigentlich hab ich große Freude. Ich hätte nur echt Lust auf ein paar reibungslose Tage nach diesem holprigen Einstieg. Das wäre doch was! Ich finde, ich hätte das auch verdient…

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Joscha

    Ohne ein bisschen Abenteuer und Improvisation wärs aber auch kein echter Berny-Trip.
    Alles Gute weiterhin.

  2. Elisabeth Widmann

    Oh je, das klingt ja mal wieder typisch Bernhard, voller Pech und Pannen. Dann kann es jetzt ja nur noch besser werden. Das mit Ungarn war ja fast zu erwarten, ich hab dir ja am Dienstag schon gesagt, dass da was im Busch ist. Die Schließung hab ich nicht mitbekommen. Jetzt freu dich erst mal auf morgen. Die Strecke von Deggendorf nach Passau bin ich auch schon geradelt, und die hab ich ganz schön in Erinnerung, und das Wetter soll ja auch passen! Zwischen Kelheim und Regensburg bin ich ja vor ein paar Wochen geradelt, ist wirklich ein schönes Stück. Beim Radeln sagt man wohl nicht „Hals- und Beinbruch“, vielleicht
    „Schlauch- und Speichenbruch“?

  3. Milena

    Diese reibungslosen Tage wünsche ich dir, gute Fahrt heute!

  4. Widmann Heinrich

    Der Student aus Istanbul hat vermutlich in einem Basar eine altes, billiges Rad gekauft. Würde mich nicht wundern wenn er ohne eine Reparatur fast durch ganz Europa gekommen wäre. So ein Pech aber. Wenn Dir deraldefadr Geld schicken soll, dann erfährt das hier jeder……. 🙂

  5. Lisa (Kanada)

    Hallo Bernhard, long time no see! Drücke die Daumen, dass es nun ohne Platten weitergeht! Und dass dir nicht eine Packrat o. Ä. die wertvollen Werkzeuge etc. stiehlt (2009 oder wann war das??) 😅

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